Walter Benjamins Letzter Weg
Musikpreis Premi Puig-Porret 2018
Ein musikalisch-visuelles Projekt von Juliane Heinemann
_Hommage an Walter Benjamin anlässlich seines 80. Todesjahres
September 1940. Frankreich ist fast vollständig von deutschen Truppen besetzt. Der deutsch-jüdische Denker Walter Benjamin (1982-1940) entschliesst sich nach langen Jahren des Exils aus Frankreich zu fliehen. Er will versuchen über Spanien und Portugal nach Amerika zu gelangen. Am frühen Morgen des 25. September beginnt er den Aufstieg der französisch-spanischen Pyrenäen. Ein geheimer Schmugglerpfad führt ihn nach einem äusserst beschwerlichem Tagesmarsch zum kleinen katalanischen Grenzort Portbou. Dort verweigern ihm jedoch die spanischen Grenzer die Einreise, er soll am nächsten Morgen nach Frankreich zurückgeschickt werden. In seinem kleinen Hotelzimmer nimmt sich Walter Benjamin in der Nacht das Leben.
“Walter Benjamins letzter Weg” (im Original: L’últim camí de Walter Benjamin) wurde 2018 mit dem katalanischen Musikpreis Premi Puig-Porrett gekürt. Die Veranstaltung -ein Konzert mit visuellen Projektionen- wurde am 18. September 2019 als Eröffnungskonzert des Musikfestivals MMVV in Vic (Katalonien) uraufgeführt.
_Die Projektidee
Juliane Heinemann lässt sich von der Autobiographie der Antifaschistin Lisa Fittko inspirieren, die Benjamin 1940 bei der Flucht half und eine Schlüsselfigur der Organisation illegaler Überquerungen der Pyrenäen war. Sie sucht emotionale und metaphorische Verbindungen zur Gegenwart und zu ihrem persönlichen Leben und begibt sich auf denselben Weg 80 Jahre später.
Benjamins Flucht wird zu einem Symbol für Hoffnung und Mut, Verzweiflung und Aufgabe, Verfolgung und Heimatlosigkeit, Aufstieg und Abstieg, Leben und Tod. Die Wanderung über die Pyrenäen inmitten ihrer unvergleichlichen Mittelmeerlandschaft, die beeindruckende Sicht vom Gipfel aus auf die schier endlose Weite des Meeres -Sinnbild für universellen Frieden, Freiheit und Unvergänglichkeit-, stehen im Kontrast zur bitteren Realität, wie sie Walter Benjamin erlebt haben muss: als Flucht vor Verfolgung unter starker körperlicher und seelischer Belastung, nachträglich für uns überschattet vom Wissen um sein tragisches Ende.
_Die Kompositionen
In Anlehnung an Benjamins ‘Passagenwerk’ hat Juliane Heinemann Gedichte, Zitate und Textfragmente von verschiedenen europäischen Autoren, insbesondere von anderen Exilschriftstellern mit ähnlicher Erfahrungswelt, ausgewählt und vertont. Es ist ein mehrsprachiges Projekt: Die Lyrics sind auf Deutsch, Spanisch, Katalanisch und Französisch, die Originalsprache des Autors wird dabei respektiert. Vertonungen von Gedichten und Textfragmenten von Else Lasker-Schüler, Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Rainer Maria Rilke, Rafael Alberti, Antonio Machado, Juan Ramon Jiménez, musikalisch umgesetzt mit Stimme und elektronischen Instrumenten.
_Programm
1- Frisança – Silenci en un Jardi, von Màrius Torres (Fragment)
2- Caminante – inspiriert von Antonio Machados Caminante
3- Mutter– Mutter, von Else Lasker-Schüler, und inspiriert von Gedichten Paul Celans und Ingeborg Bachmanns
4- El Soldado Soñaba– El Soldado, von Rafael Alberti (Fragment)
5- Viento/Vent/Wind – inspiriert von Rafael Albertis Gedicht Viento
6- Weisse Schwalben– Vogelschau, von Stefan George (Fragment)
7- Más allá– Meditación Primera y Última, von Federico García Lorca (Fragrment) und Más allá que yo, von Juan Ramon Jiménez (Fragment)
8- No sents, cor meu– No sents, cor meu, von Màrius Torres
9- Les anges de l’histoire -inspiriert von der IX. These der Geschichtsphilosophie Walter Benjamins
10- Abschied – Zitat von Rainer Maria Rilke
_Visual Art
Das Konzert wird begleitet von visuellen Projektionen des katalanischen Foto- und Videokünstlers Samuel Navarrete.
Schwarz-Weiss-Aufnahmen der Pyrenäenlandschaft und des Grenzortes Portbou geben einen abstrakten Eindruck des letzten Lebenstages Walter Benjamins wider.
Die Projektionen beinhalten auch einige mehrsprachig-übersetzte Texte der musikalischen Stücke sowie Gedanken und Zitate Walter Benjamins, die dem Publikum seine verzweifelte Lebenssituation im September 1940 erahnen lassen.
_Credits
Dauer: 45-60min
Idee, Regie, Komposition, Arrangements: Juliane Heinemann
Musiker: Juliane Heinemann, Marcel·li Bayer, Jordi Matas, Marko Lohikari, Oriol Roca
Visual Art: Samuel Navarrete
Grafikdesign: Marc Torrent
Licht: Cube Bz
Video-Art: Xavier Gibert
Ton: Angel Medina




























